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cursive

vitriola

Das achte Album und erste neue Material der 1995 gegründeten Band aus Omaha um Songwriter Tim Kasher seit sechs Jahren. Zum ersten Mal seit "Happy Hollow" vereinigt das neue Album Kasher, Gitarrist und Sänger Ted Stevens und Bassist Matt Maginn mit Gründungsmitglied und Schlagzeuger Clint Schnase. Dazu stoßen wieder Patrick Newbery am Keyboard (der schon seit einigen Jahren ein vollwertiges Mitglied der Band ist) und Megan Siebe am Cello. Schnase und Maginn sind in einer außergewöhnlichen Verfassung und machen mit ihren markerschütternden Bässen und Toms genau da weiter, wo sie aufgehört haben und bilden das Gerüst für Kashers und Stevens ineinandergreifende Gitarren und Newberys und Siebes cineastische Verzierungen. Das neue Album präsentiert eine klangliche Bandbreite zwischen satten, nachhallenden Melodien, hitchcockartiger Angst und explosiver Katharsis - und kein Cursive-Album wäre komplett ohne schreiende Singalong-Melodien und Texte, die nach genauer Betrachtung, zu ungewöhnliche Hymnen werden. Es gibt ein spürbares Unbehagen, das sich unter Vitriolas kochenden Requien ansammelt. Der feurige Opener "Free to Be or Not To Be You and Me" spiegelt den Kern des Albums wider: eine Suche nach Bedeutung, die immer wieder ins Leere läuft und den Willen, trotz der Angst vor einer dunklen Zukunft weiterzumachen. Das Album lenkt Frustration und Wut nicht nur auf die moderne Gesellschaft und das gesamte Universum, sondern auch auf uns selbst. Auf "Under The Rainbow" kocht Unruhe in Wut über, die die Selbstzufriedenheit der privilegierten Klassen anklagt; und "Noble Soldier / Dystopian Lament" ist ein eindringlicher Blick auf einen möglichen gesellschaftlichen Kollaps, der wenig Hoffnung bietet, aber versucht Schönheit und Schrecken auf dem Kopf einer Nadel auszubalancieren. Am Ende wirft "Vitriola" eine schonungslose Frage auf: Ist das alles? Ist einfach alles kaputt an das wir glauben und lässt uns hoffnungslos und nihilistisch zurück? Vielleicht nicht. Vielleicht gibt es noch ein wenig Zuversicht im Mitgefühl der Menschen, dass das Album zutiefst nachvollziehbar macht. Cursive liefern vielleicht nicht die Antworten, doch die Gewissheit, dass Du nich alleine in diesem Chaos bist und das spendet immerhin ein wenig Hoffnung.