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friends of gas

kein wetter

Release 5.6.2020

Friends of Gas haben einen Weg gefunden den ganzen verdammten Druck der Verhältnisse als Kollektiv in ihrer Dunkler-Keller-Musik zwischen Noise- und Krautrock aufzuheben. Ein Sound zwischen Faust-Nord und Faust-Süd, zwischen Captain Beefhearts Magic Band, Kim Gordon und Lydia Lunch. Zwischen Slint und Unwound. Ihr 2tes Album zeigt FOG als die vielleicht spannendste, auf alle Fälle ziemlich gefährlich klingende Band, die diese Republik in diesem Jahr vorweisen kann. Ein betongrauer Sound mit immer kurzen und prägnanten Texten, mit heiserer, aussergewöhnlicher Stimme überwältigt Nina Walser gehaucht-gesungen bis dezent geschrieen mit repetitiven Slogans aus dem Leben und Erzählungen über die Merkwürdigkeiten des Lebens. "Kapital oder Kapitulieren" skandiert sie lauthals im Karl-Marx-Blues "Schrumpfen", in dem wir im Sinne einer nicht stattfinden wollenden Revolution alle weiter unbewaffnet bleiben. Wetterbeschreibungen ziehen sich durch dieses Album wie seine stoischen Bassläufe. In "Grauer Luft" über die düsteren "Felder" bis in den "Stechpalmenwald" hinein. "Im Abwasser schwimmen gehen und nicht an die verbale Sprache glauben", heißt es in der nihilistischen "Abwasser"-Disco mit seinen rollenden Rock-Breaks. FOG weigern sich konsequent, an irgendwelchen neuen Verblendungszusammenhängen mitzuwirken. Stattdessen "leere, liebe Leere...". Instrumental klingen sie dabei manchmal fast wie eine Hardrock-Variante von Khruangbin, etwa in dem Song "Teilchen", in dem Nina Walser stellvertretend für die ganze Band den inneren und äußeren Zerfall beklagt: "Alles ist von schlechter Qualität. Wir gehen von Bana nach Lität (...) Es war einmal der Mensch - Teilchen und Anti-Teilchen." "Selber keine!", heißt es im abschließenden, 10-minütigen Schlussstück, in dem wir uns als Hörer*innen selbst einen Reim darauf machen dürfen, wer oder was diese Band um Himmelswillen am Ende alles nicht ist.