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simulation theory – Deluxe-Edition

Utopie statt Dystopie: Auf ihrem neuen Album tauschen ­­Muse die grimmig-­totalitären Szenarien der letzten Werke gegen 80er-Jahre-­Soundtrack-Ästhetik und fast spielerische Stilvielfalt ein. Es werde Neonlicht. Matt Bellamy setzt die VR-­Brille auf und erkennt die Chancen im vermeintlichen Schrecken des digitalen Zeitalters. Das monolithische Dräuen von „Drones“ (2015) weicht helleren Liedern und einer hörbaren Lust, sich auszuprobieren.


„Algorithm“ ist Epilog mit zeitgemäß aufgearbeiteten Videospiele-Sounds, „Pressure“ Popmusik mit Glam-­Gitarre, das Falsett im Refrain bereitet das folgende „Propaganda“ vor, eine Art Prince-Hommage, der Timbaland (einer von diversen Gastproduzenten) ein wenig US-R&B verpasst. R&B treibt auch das mit orientalischer Melodie drapierte „Break It To Me“. Wie weit das weg ist vom kondensierten Triosound, den Mutt ­Lange für „Drones“ inszenierte! „Some­thing Human“ gerät zu fast süßlichem Akustikgitarren-Pop mit Eighties-­Synths von einem, der zu lange auf Tour war und seine Liebste vermisst.

„Dig Down“ ist Cyborg-­Gospel, „Get Up And Fight“ flirtet mit Dance, doch die Klänge sind fast nostalgisch, bis die Breitwand­gitarren das Lied wieder nach Hause holen. Hier und an anderer Stelle singt Bellamy von Liebesweh, doch persönlich soll es nicht werden – Muse verstehen „Simulation Theory“ als ­Score zu einem fiktiven Videospiel mit Geschichte, vielleicht ein bisschen wie der Scifi-Klassiker „Tron“ von 1982 – in den neuen Videos braust Bellamy durch eine künstliche Landschaft. Es geht also doch wieder gegen ein System und für die Freiheit.

Die neue Freude an Synthies, Beats und Stilvielfalt passt sich freilich in die hier angestammten Sounds ein. Überdrehte Gitarren, Akkorddrama, Rock-Punch, Queen-Chöre, Brian-May-­Soli, Glam-Riffs – auch 2018 spielen sie ­ihre Musik mit Großbuchstaben. Bestes Beispiel dafür ist der Auftakt, „The Dark Side“, ein ganz typisches Lied. Gitarren-Arpeggio, opernhafte Gesangslinie, Megachorus: So geht ­Muse.

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