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ought

room inside the world

Mit Engels- und Teufelszungen singt Tim Darcy. Individuell und aussergewöhnlich seine Stimmfarbe und sein Gesangsstil, der ein breit gefächertes Potpourri an Emotionalität umfasst und ähnlich Joe Casey (Protomartyr) dank erzählerischer Kraft und exaltierter wie gefühlvoller Nuanciertheit (irgendwo zwischen Nick Cave, Robert Smith und David Byrne) im Kontext der von der Band mit Sinn für Dynamik und Anti-Dynamik praktizierten Mischung aus Post-Punk und Indierock ausserordentlich wirkt. Dabei setzen sie oft auf motorisch einwirkende und nach vorne treibende Grundlagen von Schlagzeug und New Wave-Bass, während die Gitarre mit Noiseschraffuren und lautmalerischer Sprache Akzente setzt und Synthie/Orgel zurückhaltend die eher düstere Post-industrielle Stimmung des Albums unterstreicht. Immer wieder überraschen Ought mit erstaunlichen wie präzisen Breakdowns und ungeöhnlichen Zwischenparts, (auch zusätzliche Instrumente wie Vibraphon, Streicher, Drummaschine oder auch ein Chor unterfüttern die Songs) und lockern das intuitiv wirkende Songwriting auf und sorgen für ein emotional komplexes Album, das mit hohem Detailreichtum aufwartet, lange nachwirkt und sich textlich mit dringlichen, beunruhigenden gesellschaftlichen Themen im Kontext von Identitätsfindung und Überleben in einer prekären Welt auseinandersetzt.