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protomartyr

relatives in descent

Das vierte Album "Relatives In Descent" von Protomartyr, welches gleichzeitig das erste auf ihrem neuen Label Domino ist, dreht sich um das wiederkehrende Thema der Angst vor der prekären Natur der Realität. Obwohl es kein Konzeptalbum ist, behandelt es doch zwölf Varianten eines Themas: die unerkennbare Natur der Wahrheit und die existentialistische Furcht, die mit dem Ungewissen einhergeht. Da ist es kein Zufall dass dieses Album in einer Zeit der Desinformation und verkürzten Nachrichten erscheint. “I used to think that truth was something that existed, that there were certain shared truths, like beauty,” erzählt Protomartyr Sänger Joe Casey. “Now that’s being eroded. People have never been more skeptical, and there’s no shared reality. Maybe there never was.” "Relatives In Descent" offenbart neue Ebenen und Einsichten, ohne die Kanten aus ihrer Zeit als Bar Band in Detroit abzuschleifen. Greg Ahees Gitarre versprüht immer noch Elektrizität, Caseys Stimme wechselt weiterhin zwischen dead-eyed Croon und einem tiefen Bellen. Drummer Alex Leonard und Bassist Scott Davidson bleiben scharfsinnig und treibend, eine Rhythmus Sektion die genauso agil wie draufgängerisch ist. Protomartyr sind eindrucksvoll wie nie. Nach monatelangen Proben fuhr die Band im März für zwei Wochen nach Los Angeles, um mit Sonny DiPerri (Animal Collective, Dirty Projectors) aufzunehmen. Er hat das Album auch co-produziert und geholfen die lange schwelende Vision der Band, von etwas mehr Komplexität, aber nicht weniger Intuition, einzufangen. Alles begann mit "A Private Understanding", das als Opening Statement fest stand in der Sekunde, als der Song fertig war und als Ausgangspunkt für die folgenden elf Songs diente. Der Song ist gleichzeitig anmutig und brutal, er mutiert von einer Schlagzeug-geleiteten Eigentümlichkeit zu einer unwahrscheinlichen Hymne. Im Zentrum stehen ein paar von Caseys besten Lyrics: „Sorrow's the wind blowing through / Truth is hiding in the wire.” Das Video wurde von einem Trip nach Irland inspiriert, auf dem Casey an einem Abend im Pub einen älteren Mann sah. Er hatte eine leichte Ähnlichkeit mit ihm und sang einen alten irischen Folksong für ein paar Zuschauer. Im Video singt nun ein Mann (gespielt von dem 78-jährigen Stand-Up Comedian Marty Smith aus Detroit) seine Geschichten vor Besuchern einer schummrigen Bar, die ihm unterschiedlich stark ihre Aufmerksamkeit schenken.