tender ender
black swan – Vinyl-Release
Release 6.2.2026
Kurz vor Schluss – und der Moment danach. Zwischen diesen beiden Taktbalken ein Film: opulent, zynisch, besänftigend. Eine Musik, als wäre sie aus der Zeit gefallen und hätte nirgends ihren Platz gefunden: nicht im Jetzt, nicht im Gestern und schon gar nicht im Morgen. Der titelgebende Black Swan: eine Laune der Natur, eine Anomalie, ein glücklicher Zufall. Mag sein, ein Garant für Good News ist er aber eher nicht. So düster die Prognose auch ausfallen mag, ein schnörkelloser Abgang sei einem hier vergällt. Der Himmel zwar verdunkelt, aber voller Geigen. Dazu ein glühender Sänger, ein Crooner gar, dem es nicht gerade abgelöscht zumute ist. Das ist Doomsday-Pop: immer schön, und immer schön nah am Abgrund. Und warum man sich in dessen Nähe nun allmählich geborgen fühlt, mag der Gewissheit geschuldet sein, ohnehin bald aus diesem Fiebertraum aufzuwachen. Der Schlusssong verrät: «if you won’t wake, you will sleep forever». Was folgerichtig klingt, wirft dennoch Fragen auf: Wo werde ich denn aufwachen? Und schlafe ich überhaupt…?
Black Swan, das Solo-Debutalbum von Thomas Schmidiger aka Tender Ender, der zuvor mit verzerrten Stimmbändern (Dead Bunny) auf sich aufmerksam machte, schickt sich nun in geschmeidigere Gewänder. Doch nicht umsonst, die ganzen Klavierlektionen als Erstklässler. Das Songbook von Elton John: verstaubt, aber nicht vergessen. Drei Dekaden später ist diese Fusion aus Kitsch, Wut und Sanftmut die logische Konsequenz. Thomas Schmidigers Stimme zeigt sich auf diesem Album verwandelt und überrascht mit erstaunlicher Sonorität. Deren Erkundungslust lässt vermuten, dass dies der Anfang einer längeren Reise ist.
Auf dem Album zu hören sind ausserdem Mario Hänni («Mnevis», Schlagzeug), Sabine Ruch (Gesang) und Manuel Egger (Mix). Das Albumcover stammt aus der Linse des französischen Dokumentarfilm-Pioniers Jean Painlevé.
06.02.2026
Experimental Pop