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weyes blood

and in the darkness, hearts aglow

Release 18.11.2022

Fünftes Studioalbum der Kalifornierin Natalie Mering aka Weyes Blood. 2019s "Titanic Rising" war der erwartende Blick auf den anrollenden Tsunami, nun folgt Akt 2 der angekündigten Trilogie. "We're in a fully functional shit show" sagt Mering zur aktuellen Krisensituation und zeigt sich auf dem Album resigniert inmitten von Algorithmisierung, Klimakrise und Ideologiekämpfen. Diese Attitüde wird auch musikalisch umgesetzt: Die gemeinsame Produktion mit Jonathan Rado (Foxygen) saugt über Albumlänge ein, auf musikalische Erlösungen und Ausbrüche wird bewusst verzichtet. Das macht sich auch in der Besetzung bemerkbar: Auf "Titanic Rising" unterstützten die begnadeten D'Addario-Brüder (Lemon Twigs) mit ihrer entfesselnden Wildheit, nun wird von Meg Duffy (War On Drugs, Kevin Morby), Daniel Lopatin (Oneohtrix Point Never) und Mary Lattimore (Kurt Vile, Thurston Moore) vielmehr filigrane Hintergrundarbeit geleistet, die den Arrangements deutlich Tiefe verleiht. Gerade auf der zweiten Seite erweitert Weyes Blood durch die Features ihren musikalischen Horizont. Das funktioniert bei tape loops und Country-Attitüden ganz gut, kann aber beim Drum Machine-Einsatz auf "Twin Flame" auch etwas irritieren. Geboten wird gediegener Kammer-Pop ohne Furcht vor Kitsch, der gerne in Klangwänden schwelgt, ohne sie zu lange auszukosten. Wenn die Texte beizeiten etwas esoterisch und schwülstig anmuten, macht das die stimmliche Inszenierung der ausgebildeten Barock-Sängerin locker wett. Auch wenn die Platte nicht ganz die Grandezza des Vorgängers erreicht: Unterm Strich ein verdammt gutes Chamberpop-Album und ein must-have für Softrock-Liebhaber_innen.

titanic rising

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cardamom times – Vinyl-Ep Re-Release

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