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fiona apple

fetch the bolt cutters

Release 17.7.2020

Trotz emotionaler und klanglicher Komplexität ist „FTBC“ nicht in erster Linie sperrig. Die Vielstimmigkeit, die sich durch alle Songs zieht, macht den Einstieg leicht. Apples Geschichten haben nicht nur Identifikations-, sondern auch Unterhaltungswert. Einige Textfragmente trägt sie seit Jahrzehnten mit sich herum, immer wieder wurden sie überarbeitet – offenbar ein probates Antidot gegen bekenntnishafte Innerlichkeit. Apple unterhält mit Humor, unerwarteten Schlenkern und überraschenden Eingeständnissen.

„Rack of His“ etwa blickt mit halb gespielter Eifersucht auf die Gitarrensammlung eines begehrten Mannes. Mal singt Apple, mal verfällt sie in federnden Rap; bei der Zeile „I would beg to disagree / but begging disagrees with me“ (aus dem insgesamt einprägsamen Song „Under the Table) wird leierndes Gemaule draus. Überhaupt gibt es fantastische Sätze auf diesem Album, die man gerne mal zitieren wird: „I resent you for presenting your life like a fucking propaganda brochure“ heißt es etwa im polyrhythmisch geklöppelten „Relay“.

Die Mehrheit der Songs ist um ihre wandelbare Stimme und unterschiedlichste Schlagwerke herum arrangiert. Und auch wenn Apple mit ihren Mitmusikern auf diesem Album eine höchst organische Einheit bildet und Corona beim Entstehen der Songs noch kein Thema war, wirkt „FTBC“ im Ausnahmezustand wie ein positives Statement zum Thema Abstand. Die Welt ist schließlich so voller Bullshit, dass Selbstschutz durch Isolierung durchaus seine Berechtigung hat.